Das Objekt des Monats




Das Deutsche Technikmuseum zeigt im Foyer jeden Monat neu ein ausgewähltes Exponat.

Weitere Informationen finden Sie auch auf den Seiten des DTM.

In diesem Monat können Sie das folgende Exponat sehen:


Fernsteuerpult für Verkehrsampeln, 1959
© Jürgen Renelt

Fernsteuerpult für Verkehrsampeln, 1959

Lichtsignalanlagen, gemeinhin als Ampeln bekannt, sind im Straßenbild so alltäglich, dass man sich kaum Gedanken darüber macht, was sich hinter Annehmlichkeiten wie der „Grünen Welle“ verbirgt: moderne Verkehrstechnik – wie hier ausgestellt.

Deutschlands erste Verkehrsampel wurde 1924 auf dem Potsdamer Platz in Berlin errichtet, zuvor hatten Polizisten den Verkehr geregelt. Im Zuge von Aufschwung und Motorisierungswelle nach Ende des Zweiten Weltkriegs nahm der Straßenverkehr stetig zu. Neue städtebauliche Konzepte wie die „autogerechte Stadt“ sowie der Einsatz moderner Verkehrssignaltechnik waren Versuche, diesem Problem Herr zu werden. 1956 wurde in West-Berlin die hundertste Verkehrsampel aufgestellt, 1976 waren es schon 1.000, im Ostteil der Stadt rund 150. Um den Verkehr sinnvoll zu leiten, setzte man die moderne Regelungswissenschaft Kybernetik ein: Die stetig wachsende Zahl an Ampeln wurde zentral gesteuert.
Das ausgestellte Objekt ist ein solcher zentraler Steuerpunkt: Mit dem Bedienpult der Firma Siemens ließen sich bis zu 999 Ampeln fernsteuern. Eingesetzt wurde es ab 1959 in der ersten Berliner Verkehrsregelungszentrale im Polizeipräsidium in Kreuzberg. Grundlage für die Automatisierung war bewährte Fernmeldetechnik: Jede Ampel hatte eine dreistellige Telefonnummer. Vom Pult aus konnten die einzelnen Ampeln angewählt und etwa die Längen der Grünphasen verändert werden. Schon wenige Jahre später kamen Computer hinzu: Der erste Verkehrsrechner Europas ging 1965 in Berlin-Wilmersdorf in Betrieb. Auch heute werden die rund 2.000 Berliner Verkehrsampeln per Computer von der Kreuzberger Zentrale aus gesteuert.