Das Objekt des Monats




Das Deutsche Technikmuseum zeigt im Foyer jeden Monat neu ein ausgewähltes Exponat.

Weitere Informationen finden Sie auch auf den Seiten des DTM.

In diesem Monat können Sie das folgende Exponat sehen:


Radios: DKE 38, 1938-1945, und Universum W 111, 1974-1978
© Clemens Kirchner

Radios: DKE 38, 1938-1945, und Universum W 111, 1974-1978

Anfang der 1970er Jahre bekommt Fritz Trömel, Inhaber einer kleinen Elektronikfirma, ein altes Radio geschenkt. Der 1938 auf den Markt gebrachte Deutsche Kleinempfänger DKE 38 war ein wichtiges Kommunikations-Werkzeug des Hitler-Regimes. Der geringe Preis von nur 35 Reichsmark trug zu seiner Beliebtheit bei und ermöglichte so eine flächendeckende Verbreitung der NS-Propaganda.
Trotz der negativen Assoziationen, die mit dem Deutschen Kleinempfänger und dem sehr ähnlichen Volksempfänger verbunden sind, legt Trömel das Radio mit modernisiertem Innenleben neu auf. Er ersetzt die alten Röhren durch moderne Transistortechnik, nur das Bakelit-Gehäuse bleibt. Anfang der 1970er Jahre stellt er das Radio der Chefin des Versandhauses Quelle vor. Sie nimmt es als „Universum W 111“ in das Programm auf. Im Quelle-Katalog von 1974 wird es als „Bestseller in neuem Stil“ angepriesen. Statt in schwarzbraun gibt es das Modell nun, dem Zeitgeschmack entsprechend, in orange und weiß. Bis das Produkt 1978 aus dem Programm genommen wird, verkauft Quelle immerhin 30.000 Stück davon. In der Vitrine sind beide Modelle zu sehen.
In den 1970er Jahren gibt es aber auch kritische Auseinandersetzungen mit der Ikone der NS-Propaganda. Die deutsche Band Kraftwerk veröffentlicht 1975 das Album „Radio-Aktivität“, auf dem Cover ist der DKE 38 abgebildet. Der amerikanische Neodadaist Edward Kienholz (1927-1994) verarbeitet auf deutschen Flohmärkten gefundene Volksempfänger und Deutsche Kleinempfänger zu der Objektreihe „Volksempfängers“, die 1977 in der Nationalgalerie Berlin ausgestellt wird.